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Zweifel als Eltern - Warum zweifeln wir?

Sind Selbstzweifel als Mutter oder Vater normal oder geht das nur mir so?

Als ich mich letztens mit meiner älteren Nachbarin unterhalten habe, die noch Zeitzeugin des zweiten Weltkrieges ist, ging mir eine ihrer Aussagen nicht mehr aus dem Kopf: “Virginia, damals war es völlig normal, dass Frauen in ihren frühen 20er Lebensjahren schon verheiratet waren und auch schnell schwanger wurden. Heute ziehen die meisten jungen Frauen mit Anfang 20 erstmal zu Hause aus und suchen sich ein WG-Zimmer. Da steht Studium oder Ausbildung an erster Stelle. Das Kinderkriegen hat sich auf die 30er Lebensjahre nach hinten verschoben. Ob ich persönlich das gut oder schlecht finde, ist egal. Denn so ist das Leben heute nun mal. Ich kann nur sagen, dass wir uns damals als junge Eltern viel weniger einen Kopp um unsere Kinder gemacht haben, wie es die Eltern heutzutage tun. Bei uns ging es in manchen Jahren ums harte Überleben in Zeiten des Wiederaufbaus. Da war man froh, wenn man ein Dach über den Kopf hatte und was Gutes zu Essen. Probleme heutiger Eltern wären für uns damals Luxusprobleme gewesen. Die Kinder sind einfach neben her gelaufen. Und ihr seid ja auch alle groß geworden, oder?”

Ich bin kein Verfechter von “Früher war alles besser”. Trotzdem glaube ich schon, dass wir Mütter und Väter uns heutzutage viel öfter in Frage stellen, als es unsere Vorfahren ein oder zwei Generationen vor uns gemacht haben. Und ich stelle mir die Frage, warum das so ist.

Warum haben Eltern wie du und ich heute mehr Zweifel, als noch unsere Großeltern?

Ich würde mal so salopp sagen, dass sie vielleicht einfach viel weniger Zeit hatten sich mit Zweifeln zu beschäftigen, als wir es heute haben. Aber das kann ja gar nicht sein, denn das, was die wenigsten Eltern in meinem Umfeld haben, ist Zeit. Also wird es wohl eher so sein, dass wir heutzutage einfach weniger ernsthafte Probleme haben, als es unsere Vorfahren noch gehabt haben. Denn du und ich werden von elementaren “Bedrohungen” wie Krieg, Armut, Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit in Deutschland glücklicherweise weitestgehend verschont.

Natürlich soll das nicht heißen, dass deine oder meine Probleme oder Hürden, denen wir uns alle täglich stellen müssen uns deswegen nicht belasten. Im Gegenteil: Jeder hat sein Päckchen zu tragen und das eigene ist ja bekanntlich auch immer das Schwerste, denn das nimmt uns in der Regel keiner ab.

Was sind denn dann die “Päckchen”, die du und ich als Eltern täglich mit uns rumschleppen müssen?

Wenn ich mir die Wochenplaner von manchen meiner Freunde anschaue, dann muss der Lockdown eine wahre Erleichterung gewesen sein. Anders kann ich mir das nämlich nicht vorstellen, bei dem Programm, das ich da vorfinde: montags Rückbildungskurs, Dienstag Hebamme & großes Geschwisterkind zum Klavierunterricht bringen, Mittwoch Yoga Kurs, Donnerstag großes Geschwisterkind zum Fußball bringen + Babytreff mit Freundinnen, Freitag Besuch bei Oma & Opa und vom Wochenendprogramm müssen wir schonmal gar nicht reden. Die Taktung setzt sich ununterbrochen fort. Da sind Sachen wie Haushalt (wenn man nicht den Luxus einer Putzfee genießt), Einkaufen, Kochen, Fahrten zur Kita, Kindergarten oder Schule und Selbstpflege :) noch gar nicht mit eingerechnet. Also ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich bin schon gestresst, wenn ich mir so einen Kalender nur durchlese, geschweige denn wie ich mich fühlen würde, wenn ich diesen Alltag leben müsste.

Viele Frauen gehen auch sehr schnell nach der Geburt auch wieder ihrem alten Job nach. Ob Teil- oder Vollzeit: Das ist ein zusätzlichen Zeitfresser. Aber oft unabdingbar, weil sonst die Raten für das neue Haus ja gar nicht abbezahlt werden könnten. Ich habe für das alles eben Genannte - bis auf den Job, ohne den es nun mal nicht geht, da wir ja alle auch Geld verdienen müssen - nur ein Wort: Selbstgemachter Freizeitstress.

Wenn ich meinem Kind doch so viel biete, warum Zweifel ich dann noch an mir?

Man könnte meinen, dass dieser Wochenplan, der exemplarisch für die Wochenplanungen steht, die ich so von anderen Eltern mitbekomme, alles abdeckt, was Kinder glücklich macht. Sport, Unterhaltung, Bildung... Also: Wenn du doch so viel dafür tust, dass die Bedürfnisse von allen abgedeckt sind, warum zweifelst du trotzdem noch an deinen Qualitäten als Mutter oder Vater?

Lass uns beide doch mal überlegen, was in diesem “Programm” fehlen könnte, was dieses Gefühl bei dir hervorrufen könnte: Meiner Meinung nach ist es das Einfachste und doch gleichzeitig das Schwierigste: Zeit!

Wenn das so einfach wäre!

Ich bin davon überzeugt, dass wir nur dann gute Eltern sein können, wenn wir entspannt sind, denn das überträgt sich auf unsere Babys (auch die Ungeborenen im Bauch) und unsere Kinder. Wenn ihr also gestresst seid, dann werden eure Kinder die Spannung spüren und in sich aufnehmen. Sie sind ein Spiegel von uns. Ich denke also, dass man sich mindestens alle zwei Tage nichts vornehmen sollte. Nach dem Kindergarten, der Kita oder der Schule gibt es keine Termine und keine Verpflichtungen.

Schau doch einfach mal, was es mit dir, deinen Kindern und deiner Partnerschaft macht, wenn ihr gemeinsam kocht, esst und danach ohne Zeit- oder Termindruck im Nacken, gemeinsam überlegt, was ihr mit eurer freien Zeit anfangen könntet. Es geht nicht darum, sich zwanghaft etwas vorzunehmen, sondern zu schauen, wohin es euch als Familie treibt. Vielleicht wäre es dringend mal wieder an der Zeit, das Laub im Garten zusammenzufegen. Wenn sich alle Gummistiefel und Matschhosen anziehen, kann das zu einer tollen gemeinsamen Familienzeit führen. Selbst das kleinste Baby kann gut “eingepackt” im Lalizou im Garten zuschauen, wie der Rest der Familie im Garten “werkelt”. Ihr könnt vielleicht besonders schöne Blätter sammeln, um sie später zu trocknen und damit ein schönes Herbstbild für Oma und Opa zu basteln. Schau dir einfach mal deine Familie an, was es mit jedem einzelnen von euch macht, wenn du nicht von einem Termin zum nächsten hetzt, sondern die Zeit einfach mal fließen lässt.

Wie kann ich meine Zweifel besiegen?

Manchmal gibt es Umstände oder Phasen im Leben, in denen man sich aber einfach keine Freiräume oder kleine “Oasen” der Ruhe schaffen kann, so wie ich es dir im Absatz vorher vorgeschlagen habe. Vielleicht, weil du alleinerziehende Mama bist, deren Ex-Partner keine Verantwortung übernimmt und du bist jeden Tag allein verantwortlich für ein oder zwei oder gar mehr Kinder. Hast zwei Jobs um überhaupt irgendwie alles am Laufen zu halten und fällst abends um 23h völlig erschöpft ins Bett, um den Wecker für den nächsten Morgen um 5.30h zu stellen. Oder deine eigenen Eltern sind pflegebedürftig und du bist das einzige Kind, dass sich um ihre Pflege kümmern kann. Du kümmerst dich also nicht nur um deine eigene Familie zu Hause, sondern fährst täglich zu deiner Mutter oder deinem Vater um sie zu pflegen oder zu versorgen. Oder du bist selbst erkrankt und bist auf die Hilfe und Unterstützung von anderen angewiesen.

Was auch immer die Umstände sein können, die dich dazu bringen an dir als gute Mutter oder guter Vater zu zweifeln: Eins sei dir gesagt: Wir alle kommen manchmal an unsere Grenzen. Schlaflose Nächte, Phasen in denen die Babys viel weinen, die Kleinen ständig rumquängeln oder viel krank sind. In denen die großen Geschwister sich ständig streiten oder Dinge kaputt machen. Oder in denen die Zweisamkeit mit deinem Partner leidet und ihr euch viel zu oft streitet. Diese Zeiten durchleben alle Eltern mal. Die Frage ist nur: Wie gehen wir damit um?

Kannst du dir selbst vergeben, wenn du deine Grenzen überschritten hast?

Du bist mal lauter geworden, als du eigentlich wolltest? Du bist schnell genervt und vielleicht ungerecht? Du schaffst es nicht, gesund und vollwertig zu kochen und hast einfach eine Pizza für alle bestellt? Du hast deine Kinder viel länger eine Serie schauen lassen, als du es sonst tun würdest? Das ist für mich alles Dinge, die in der Ausnahme mal passieren können. Wir müssen nicht darüber reden, dass körperliche oder emotionale Gewalt ein No-Go sind und auch in großen Stresssituationen niemals (!) vorkommen dürfen. Aber die eben aufgeführten Dinge, können dir als Elternteil durchaus mal passieren. Und das ist meiner Ansicht nach auch kein Problem.

Zum einen sind unsere Kinder nämlich selbst auch nicht immer der Liebreiz in Person ;). Auch sie sind mal schlecht gelaunt, überreizt, übermüdet oder überfordert. Sie können also auch ruhig sehen, dass wir Eltern ebenfalls nicht immer perfekt sein können. Denn wir sind keine Roboter oder Maschinen.

Aber was können deine Kinder in solchen Situationen von dir lernen?

Dass Vergebung im Leben ganz wichtig ist. Das wir nicht perfekt sein MÜSSEN. Das du es einfach nicht bist und deine Kinder und dein Partner genauso wenig. Und dass man diese Erwartungshaltung weder an sich, noch an sein Umfeld haben muss und sollte.

Folgendes Beispiel von mir und meiner Tochter: Sie hat eine absolute Lieblingsdecke, ohne die geht gar nichts. Für diese „Decki“ sind wir schon nachts um drei durch die Gegend gefahren, um sie dort abzuholen, wo wir sie vergessen haben. Diese „heilige“ Decke also soll nach Wunsch meiner Tochter also am besten nie gewaschen werden. Dann riecht sie nicht mehr so gut. Du wirst sie verstehen, wenn dein Kind auch so ein Lieblingsteil seinen besten Freund nennt. Ich habe also einmal ihre Decki heimlich in die Waschmaschine gesteckt, weil sie es wirklich mal nötig hatte :). Das hat zu einem Riesen „Aufstand“ geführt, weil meine Tochter der Meinung war, ich hätte sie vorher Fragen sollen. Also habe ich ihr versprochen, dass ich das das nächste Mal auch tun würde, sie mir aber umgekehrt versprechen müsste, dass sie es zulässt, dass ich die Decke ab und an auch mal in die Maschine stecke. Dann gab es das zweite Mal, in dem es sich einfach total angeboten hat, die Decke ganz heimlich schnell zu waschen, da meine Tochter mit einer Freundin unterwegs war und die Decke zu Hause vergessen hat. Als sie nach Hause kam, hat sie natürlich „gerochen“, dass ich ihre „Decki“ gewaschen habe, OHNE es vorher – wie ursprünglich ja abgemacht – mit ihr zu besprechen. Sie war in ihren tiefen enttäuscht und hat bitterlich geweint. Nicht, weil ich die Decke gewaschen habe. Sondern weil ich mein Versprechen gebrochen hatte. Meine kleine war zu dem Zeitpunkt etwas über drei Jahre alt. Man könnte das abtun, belächeln oder herunterspielen. Aber ich habe gemerkt, dass dieses kleine Mädchen mir vertraut und ich ihr Vertrauen in dem Moment missbraucht habe. Also habe ich mich hingekniet und mich auf Augenhöhe ernsthaft bei ihr entschuldigt. Ich habe ihr erklärt, dass Mama eben manchmal auch Fehler macht. Das aber bei allem, was ich tue, ich immer nur das Beste für sie möchte und sie sich das immer merken soll. Und dass ich ihr nicht versprechen kann, dass ich nicht nochmal andere Fehler machen werde. Aber das ich mir wünsche, dass wir immer miteinander sprechen, uns entschuldigen, wenn es nötig ist und uns vergeben, wenn es nötig ist.

Diese kleine Geschichte aus meinem eigenen Alltag soll dir zeigen, dass es nicht darum geht, als Mutter oder Vater immer perfekt zu reagieren. Sondern dass wir lernen, zu akzeptieren, dass wir Fehler machen, egal wie sehr wir uns auch bemühen. Und dass das völlig ok ist. Solange wir uns selbst reflektieren, uns in uns selbst, in unsere Kinder und unseren Partner versuchen hineinzuversetzen und auch offen zu sein für Kritik. Ich glaube, dass ganz viel Druck von dir abfällt, wenn du lernst, dir selbst zu vergeben und dich selbst als unperfekte Mama oder unperfekter Papa zu akzeptieren und wertzuschätzen. Denn am Ende des Tages geben wir alle unser Bestes. Und das ist mehr als gut genug!

Eure Virginia vom Team Lalizou

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Thomas
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